Diese Seite bietet eine deutschsprachige Übersicht über ein Buch, das nur auf Türkisch erschienen ist. Die Originalausgabe finden Sie auf der Verlagsseite.
Werktitel: Kanlı Pazar – Nationalisten, Islamisten und die Linke in der Türkei der 1960er Jahre
Autor: Mustafa Eren
Verlag: Kalkedon Yayıncılık
Umschlaggestaltung: Şahan Yatarkalkmaz
Erscheinungsdatum: Februar 2012
Seitenzahl: 284
ISBN: 978-605-4511-43-3
Das Buch lässt sich als zwei Teile lesen. Der erste Teil zeichnet das politische Panorama der Türkei von den 1960er- bis in die 1970er-Jahre nach. Der Autor zeigt, dass die politischen Bruchlinien, die die Türkei bis heute prägen, wesentlich in diesem Jahrzehnt entstanden sind: In dieser Zeit setzen sich die Begriffe „rechts“ und „links“ im politischen Sprachgebrauch der Türkei durch, spaltet sich das nationalistisch-konservative Lager in Nationalisten und Islamisten, teilt sich die linke Jugendbewegung in die Strömungen der „nationalen demokratischen Revolution“ (MDD) und der „sozialistischen Revolution“ (SD), und entsteht mit der Gründung der Revolutionären Kulturherde des Ostens eine Spaltung entlang ethnischer Zugehörigkeit. Nachgezeichnet wird auch der Wandel der linken Jugend vom Kemalismus zum Sozialismus und vom Sozialismus zu radikalen revolutionären Bewegungen, zusammen mit den wichtigsten Aktionen dieser beiden Jahrzehnte.
Der zweite Teil schildert das Massaker vom „Blutigen Sonntag“ (Kanlı Pazar) am 16. Februar 1969. Als die 6. Flotte der USA vor Dolmabahçe ankerte, organisierte die linke/sozialistische Jugend einen Protestmarsch; rechte Organisationen griffen den Marsch koordiniert an. Beim Marsch von Beyazıt zum Taksim-Platz am 16. Februar wurden Knüppel von Lastwagen aus verteilt, den Angreifern blaue Bänder ans Revers geheftet, damit die Polizei sie nicht versehentlich festnahm, und beim Angriff starben zwei Menschen, während Dutzende verletzt wurden. Kanlı Pazar war das erste einer Reihe von Massakern, die sich in den 1970er-Jahren wiederholen sollten; mehrere bis heute prominente Figuren der türkischen Politik gehörten damals zur rechten Jugend, die am Massaker beteiligt war, und das Buch verfolgt ihre weiteren Wege seit den 1960er-Jahren. Im Kern ist das Buch ein Aufruf an die nationalistische, islamistische und linke politische Tradition, sich anhand des Kanlı-Pazar-Massakers mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.




