Diese Seite bietet eine deutschsprachige Übersicht über ein Buch, das nur auf Türkisch erschienen ist. Die Originalausgabe finden Sie auf der Verlagsseite.
Werktitel: Die Pathologie der Einsperrung: Die Geschichte des Gefängnisses vom Osmanischen Reich bis heute
Autor: Mustafa Eren
Verlag: Kalkedon Yayıncılık
Umschlaggestaltung: Şahan Yatarkalkmaz
Erscheinungsdatum: Mai 2014
Seitenzahl: 345
ISBN: 6054979110
Seit dem Jahr 2000 befindet sich die Türkei, im Zuge des Baus von Gefängnissen des F-Typs, in einem tiefgreifenden Wiederaufbauprozess in Fragen des Strafvollzugs. Mit der Eröffnung, Schließung und Neuordnung von Gefängnissen vollzieht sich zugleich ein architektonischer Wandel: Gefängnisse, die nach dem Saalprinzip gebaut wurden, werden zurückgebaut, während das „Zimmersystem“ zum vorherrschenden architektonischen Modell wird. Zwei weitere Entwicklungen helfen, diesen Wiederaufbauprozess einzuordnen: eine zunehmende Kriminalisierung und ein entsprechender Anstieg der Gefangenenzahlen. Für jemanden, der wie der Autor über einen langen Zeitraum unfreiwillig als teilnehmender Beobachter dieses Systems tätig war, war es eine unausweichliche Verpflichtung und Verantwortung, einen zusammenhängenden Blick von der Vergangenheit bis zur Gegenwart zu entwickeln und die pathologische Struktur der Gefängnisse zur Diskussion zu stellen.
Das vorliegende Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste Teil behandelt die in der Diskussion über Gefängnisse verwendeten Begriffe und versucht, ein allgemeines Bild der türkischen Gefängnisse und Gefangenen zu zeichnen. Im zweiten Teil wird, ausgehend von Veränderungen in Architektur, Recht, Diskurs und Praxis, die These vertreten, dass sich die Geschichte der Gefängnisse vom Osmanischen Reich bis heute in drei Perioden einteilen lässt. Der dritte Teil widmet sich der „Pathologie“, die dem Buch seinen Titel gibt: Gefängnisse werden als pathologische Institutionen bestimmt, und auf dieser Grundlage wird der „Resozialisierungs“-Ansatz einer Kritik unterzogen.
Wenn dieses Buch auch nur einen bescheidenen Beitrag zur Diskussion über die pathologische Struktur von Gefängnissen — und insbesondere zur Kritik der türkischen Gefängnisse — leisten kann, hat es sein Ziel erreicht.
Mustafa Eren




